Also doch „hineingeschlittert“? Anmerkungen zur aktuellen Debatte über die Ursachen des Ersten Weltkrieges und deren geschichtspolitischen Implikationen.

Die Fragen nach den Ursachen und Verantwortlichkeiten für den Ausbruch des Ersten Weltkrieges werden im Grunde genommen schon seit August 1914 kontrovers diskutiert. Die Antworten fallen je nach Sprechort, politischem Standpunkt und Betroffenheit von den Ereignissen diametral aus – damals wie heute. Gleichwohl hatte sich in den 1930er Jahren die Auffassung des britischen Kriegs-Premier David Lloyd Georgs als Allgemeinplatz etabliert, der gemäß die Staatsmänner der Großmächte in den Krieg „hineingeschlittert“ seien. Laut gängiger Lesart war also niemand so richtig für des Ausbruch des Ersten Weltkrieges verantwortlich. Fritz Fischer und seinen Schülern gelang es, diese These nachhaltig zu erschüttern und eine deutsche Hauptverantwortung für den Krieg nachzuweisen. Seither sind rund fünfzig Jahre vergangen und zahllose Studien zum Ersten Weltkrieg und der Rolle des Deutschen Reiches erschienen. Mehr von diesem Beitrag lesen

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Zur Frühgeschichte des Palästina-Konflikts bis zur Gründung des Staates Israel

Salvador Oberhaus

Zur Frühgeschichte des Palästina-Konflikts bis zur Gründung des Staates Israel

Ein ereignishistorischer Problemaufriss[1]

Der Beitrag ist erschienen als Standpunkte International Nr. 17, Rosa Luxemburg Stiftung, Berlin 2011. Eine überarbeitete und erweiterte Neuauflage ist in Planung.

Wer das Existenzrecht Israels bestreitet oder die Forderung der Palästinenser nach einem unabhängigen palästinensischen Staat infrage stellt, der hat aus der Geschichte nichts gelernt und verkennt die Komplexität und Emotionalität der Problemlage, die uns als Nahostkonflikt begegnet. Im Mittelpunkt dieses Konfliktes steht, zugespitzt formuliert, die Frage: »Wem gehört Palästina?« Es geht auf der einen Seite um Fragen der Gleichberechtigung, der Selbstbestimmung und des Rückkehrrechts von Flüchtlingen und natürlich nicht zuletzt um die offene Frage der palästinensischen Staatlichkeit. Kurz: Es geht um das Problem der Emanzipation von einem so empfundenen Kolonialregime. Aus israelischer Perspektive geht es, wenn man der Raison d’être folgt, um nichts Geringeres als den Schutz der Existenz des jüdischen Volkes in einer so wahrgenommenen »Welt voller Feinde«. Wem also gehört Palästina? Man möchte sich wünschen, den Menschen, die dort leben. Aber wie so häufig liegen Wunsch und Realität weit auseinander. Download Mehr von diesem Beitrag lesen

Salvador Oberhaus, „Zum wilden Aufstande entflammen“. Die deutsche Ägyptenpolitik 1914-1918. Ein Beitrag zur Propagandageschichte des Ersten Weltkrieges.

Die Studie ist im Druck erschienen 2007 im Verlag Dr. Müller. Unveränderte Neuauflage im Akademikerverlag 2012: „Zum wilden Aufstande entflammen“. Die deutsche Propagandastrategie für den Orient im Ersten Weltkrieg am Beispiel Ägypten, Saarbrücken 2007 / 2012.

Wenn heute in den Medien vom Djihad, dem islamischen Heiligen Krieg, die Rede ist, so sind wir es gewohnt, besonders seit den Anschlägen in New York und Washington vom 11. September 2001 sowie den Anschlägen in der spanischen Hauptstadt Madrid vom 11. März 2004, an den arabischen Terrorismus und den seit vielen Jahrzehnten währenden Nahost-Konflikt zu denken. In der westlichen Welt, so auch in der Bundesrepublik Deutschland, wird – oft von Ressentiments geprägt – über die Bedrohung der christlichen Zivilisation und den Vernichtungswillen fanatischer Islamisten räsoniert.[1]

Dass Deutschland vor 90 Jahren diesen angeblichen islamischen Fanatismus für seine Bedürfnisse im Ersten Weltkrieg auszunutzen versuchte, ist in der veröffentlichten Meinung ebenso wenig ein Thema, wie es im öffentlichen Bewusstsein kaum eine Rolle spielt, dass die deutsche Regierung zwischen 1914 und 1916 die Kooperation mit muslimischen Staatsmännern, Stammesführern und religiösen Würdenträgern suchte, um die islamischen Gebiete zu revolutionieren, die von den Staaten der Entente in kolonialer Abhängigkeit gehalten wurden. Zum Download

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Orientkrieg der Illusionen. Die deutsche Djihad-Strategie 1914-1918

Salvador Oberhaus

Orientkrieg der Illusionen. Die deutsche Djihad-Strategie 1914-1918

„Wir sind gezwungen, jede sich bietende Gelegenheit auszunutzen, welche geeignet ist, den Widerstand Englands zu brechen.“[1]

Wohl kaum ein anderer internationaler Konflikt steht derart im Fokus des öffentlichen Interesses und diplomatischer Bemühungen, wie der Konflikt zwischen Israel und Palästina. Die Ursachen des heute komplexen Konfliktszenarios reichen in das späte 19. und frühe 20. Jahrhundert zurück und sind im besonderen Maße von der imperialistischen Politik der europäischen Großmächte zu verantworten.[2] Es ist weithin bekannt, dass Engländer und Franzosen mit dem Sykes-Picot-Abkommen (1916) eine Neuordnung der nahöstlichen Landkarte für die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg anstrebten, um ihren dominanten Einfluss in der Region dauerhaft zu festigen. Zunächst aber musste dieser Krieg gewonnen werden. Auf der Suche nach weiteren Bündnispartnern machte die britische Regierung in der sogenannten Hussein-McMahon-Korrespondenz (1916) und in der Balfour-Erklärung (1917) dem einflussreichen Scharif von Mekka bzw. den politischen Vertreten des Zionismus widersprüchliche politische und territoriale Zusagen und öffneten damit die Büchse der Pandora. Weniger bekannt ist hingegen, dass die Kriegsstrategie des kaiserlichen Deutschlands diese Entwicklung erst ausgelöst hat. Die Geschichte dahinter soll im Folgenden näher betrachtet werden. Mehr von diesem Beitrag lesen