1915: Die Quellen des Genozids. Der Armeniermord im Osmanischen Reich und die Bedeutung der Memoiren Naim Efendis und der Talat-Pascha-Telegramme

Präsentation des Buches «Naim Efendi’nin Hatıratı ve Talat Paşa Telgrafları. Krikor Gergeryan Arşivi, (The Authenticity of the Naim Efendi Memoirs and Talat Pasha Telegrams)» und Diskussion mit dem Autor Prof. Dr. Taner Akçam und Dr. Salvador Oberhaus

Der staatlich organisierte Genozid an den Armenier*innen und Angehörigen anderer christlicher nationaler Minderheiten im Osmanischen Reich während des Ersten Weltkrieges kostete mindestens eine Millionen Menschen das Leben. Im wissenschaftlichen wie im erinnerungspolitischen Diskurs in der Türkei, aber auch über viele Jahrzehnte in der Bundesrepublik Deutschland wurde dennoch über die Frage gestritten, ob es sich überhaupt um einen Völkermord gehandelt hatte. Dabei bestätigten bereits die Istanbuler Prozesse 1919 bis 1921 gegen Verantwortliche, dass es systematische Verbrechen der osmanischen Regierung gegen Armenier*innen mit dem Ziel ihrer vollständigen Auslöschung gegeben hat. Auch die kaiserliche Regierung in Deutschland war über die Dimensionen der Verbrechen im Bilde, ließ den Bündnispartner aber gewähren.
Im Gegensatz zur Bundesregierung, die inzwischen offen von einem Völkermord an den Armenier*innen spricht, leugnen die türkische Regierung und mit ihr weite Teile der türkischen Öffentlichkeit den Genozid bis heute beharrlich. Es wird verschwiegen, umgedeutet, historische Quellen und kritische Stimmen werden diskreditiert. Ein beredtes Beispiel hierfür stellt der Umgang mit den sogenannten «Talat Pascha-Telegrammen» dar. Mehr von diesem Beitrag lesen

Buchpräsentation: „Maschine zur Brutalisierung der Welt“? Der Erste Weltkrieg – Deutungen und Haltungen 1914 bis heute

Seit Christopher Clarks „Schlafwandler“ und dem einhundertjährigen Jubiläum des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges ist wieder ein stärkeres öffentliches Interesse an der Geschichte der „Urkatastrophe“ des 20. Jahrhunderts zu verzeichnen. Dabei werden die Debatten insbesondere von Kontroversen über Europas Weg in den Krieg dominiert. Andere Fragen, etwa nach dem Zusammenhang von Nationalsozialismus und Erstem Weltkrieg oder dem Verhältnis der politischen Linken zum Krieg, bleiben dagegen weitgehend ausgeblendet. Wie aber deuteten linke Intellektuelle zeitgenössisch den Krieg, und wie reagierten sie auf die durch ihn ausgelösten Umwälzungen? Was meinte der Historiker Eric Hobsbawm, wenn er mit Blick auf neue radikalnationalistische und militaristische Weltbilder vom Ersten Weltkrieg als einer „Maschine zur Brutalisierung der Welt“ sprach? Herausgeber und Autor*innen eines nun im Verlag Westfälisches Dampfboot erschienenen Sammelbandes wollen diese und weitere Fragen diskutieren. Dabei werden nicht zuletzt die bisherigen Deutungsverläufe zum Ersten Weltkrieg resümiert und die erinnerungs- und geschichtspolitischen Standpunkte eingeordnet, die auch und gerade einhundert Jahre nach dem Beginn des Krieges wieder für breite öffentliche Debatten sorgten.

Es diskutieren die Herausgeber des Buches Salvador Oberhaus und Axel Weipert mit den Autoren Yves Müller und Julian Nordhues.
Moderiert wird die Veranstaltung von Gisela Notz.

 

VERANSTALTUNGSORT

Rosa-Luxemburg-Stiftung
Salon
Franz-Mehring-Platz 1
10243 Berlin

ZEIT

01.06.2017, 19:00 – 21:00 Uhr

VERANSTALTER

Rosa-Luxemburg-Stiftung

Damaged Goods – 150 Einträge in die Punk-Geschichte

Ich freue mich sehr, dass ich drei Artikel zu Jonas Engelmanns schönem Geburtstagsgeschenk an den Punk (und alle die sich mit ihm verbunden fühlen) beitragen durfte.

Jonas Engelmann (Hg.), Damaged Goods – 150 Einträge in die Punk-Geschichte, Ventil Verlag, Mainz 2016

 

Kampf um Wissen

Salvador Oberhaus, The Kaiser´s Spy? Max von Oppenheim und der „Djihad – Made in Germany“. Die deutsche Propagandastrategie für den Orient im Ersten Weltkrieg an der Schnittstelle zwischen Informationskontrolle und Spionage, in: Lisa Medrow, Daniel Müntzer, Robert Radu (Hrsg.):  Kampf um Wissen. Spionage und Öffentlichkeit 1870-1940, Paderborn 2015, S. 91-113.

»Maschine zur Brutalisierung der Welt«?

Herausgegeben von Axel Weipert, Salvador Oberhaus, Detlef Nakath und Bernd Hüttner, Münster 2017

Der Erste Weltkrieg kann nur mit einem internationalen Fokus und einer breiten Perspektive angemessen beschrieben werden. Auf dieser Basis widmet sich der Sammelband drei in der Forschung und öffentlichen Debatte oft vernachlässigten Themenfeldern.

Gefragt wird zum einen nach den Bezügen zwischen dem Krieg und der politischen Linken. Wie wirkte sich der Konflikt auf Arbeiterbewegung und linke Intellektuelle aus, wie deuteten sie ihn? Und wie reagierten sie auf diese Umwälzung? Der Erste Weltkrieg kann außerdem als ein wichtiger Impulsgeber radikalnationalistischer und militaristischer Weltbilder verstanden werden. Eric Hobsbawm nannte ihn deshalb eine „Maschine zur Brutalisierung der Welt“. Welche Rolle spielte der Krieg für die Entwicklung und den Charakter des Nationalsozialismus?

Und schließlich: Wie sind die erinnerungs- und geschichtspolitischen Standpunkte einzuordnen, die auch und gerade hundert Jahre nach dem Beginn des Krieges wieder für breite öffentliche Debatten sorgten?

»Maschine zur Brutalisierung der Welt«? Der Erste Weltkrieg. Deutungen und Haltungen 1914 bis heute, Münster 2017

 

Rezensionen

„Die Wirtschaft vergessen“ von Stefan Bollinger in Junge Welt vom 10. 04. 2017

Konferenz der Rosa Luxemburg Stiftung: „Geschichte wiederholt sich nicht, aber …“ 100 Jahre Erster Weltkrieg – 100 Jahre Bezugnahmen und Deutungen in Europa

In eigener Sache (quasi)

In wenigen Monaten jährt sich der Ausbruch des Ersten Weltkrieges zum 100. Mal. Nur wenige Wochen später ist an den 75. Jahrestag des Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges zu erinnern. Die Rosa Luxemburg Stiftung, die Rosa Luxemburg Stiftung NRW und ihre Kooperationspartner*innen nehmen die Jahrestage zum Anlass zu einer Tagung, die drei Schwerpunkte setzen und mit ihrem Fokus auf mentalitätshistorische Zugänge Fragen nach Verbindungslinien stellen wird: Welche Rolle spielt der Erste Weltkrieg für die Strukturen und Entwicklungen des Nationalsozialismus? Welche Auswirkungen und Bezugnahmen folgten auf den Ersten Weltkrieg daneben aber auch auf und durch die politische Linke? Und schließlich: Wie sind die erinnerungs- und geschichtspolitischen Interpretationen und Standpunkte im „Erinnerungsjahr“ 2014 einzuordnen, die von einer „Urkatastrophe“, von zivilisatorischen Bruchkanten, Zäsuren oder Kontinuitäten im „kurzen 20. Jahrhunderts“ sprechen? Mehr von diesem Beitrag lesen

Also doch „hineingeschlittert“? Anmerkungen zur aktuellen Debatte über die Ursachen des Ersten Weltkrieges und deren geschichtspolitischen Implikationen.

Die Fragen nach den Ursachen und Verantwortlichkeiten für den Ausbruch des Ersten Weltkrieges werden im Grunde genommen schon seit August 1914 kontrovers diskutiert. Die Antworten fallen je nach Sprechort, politischem Standpunkt und Betroffenheit von den Ereignissen diametral aus – damals wie heute. Gleichwohl hatte sich in den 1930er Jahren die Auffassung des britischen Kriegs-Premier David Lloyd Georgs als Allgemeinplatz etabliert, der gemäß die Staatsmänner der Großmächte in den Krieg „hineingeschlittert“ seien. Laut gängiger Lesart war also niemand so richtig für des Ausbruch des Ersten Weltkrieges verantwortlich. Fritz Fischer und seinen Schülern gelang es, diese These nachhaltig zu erschüttern und eine deutsche Hauptverantwortung für den Krieg nachzuweisen. Seither sind rund fünfzig Jahre vergangen und zahllose Studien zum Ersten Weltkrieg und der Rolle des Deutschen Reiches erschienen. Mehr von diesem Beitrag lesen